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Wie bringe ich mein Kind zum Wandern? Eine kleine Wanderanleitung.

Wandern mit Kind

Als Familie wandern – das birgt viele Stolpersteine, nicht nur auf dem holprigen Wanderweg. Kinder für Wanderausflüge zu begeistern, ist nicht immer einfach, darum haben wir beim offiziellen Familienwanderexperten der Schweizer Wanderwege nachgefragt.

«Me muess d Ching gluschtig mache und mit dr eigete Begeischterig aaschtecke.»

sagt Rémy Kappeler, Autor des Buches „Wanderpapa - Familiengeschichten vom Wanderweg“, in breitestem Bärndüütsch. Klingt einfach, oder?

 

Anfänger: «Fang früeh a.»
Am Besten beginnt man schon früh mit kleinen Wanderausflügen, sobald die Kinder selbstständig eine Stunde laufen können. Es ist wie beim Fussball oder Ballett: Für eine Aufführung muss man üben, und bevor man einem Fussballverein beitritt, geht man mit Freunden erstmal an ein Grümpelturnier. So ist es auch mit Ausflügen in die Natur. Wählt einen einfachen Weg, der eine kleine Attraktion bietet, um das Interesse und die Motivation für längere Spaziergänge zu wecken. Das kann ein Bachlauf, ein Tobel oder eine Brücke sein.

 «Chumm, mir packe d’Stirnlampe ii, es söu da e Höhli ha.»

Nehmt euch die Zeit, Wasser zu stauen, zieht die Schuhe aus, macht eine Wasserschlacht, klettert über Holzstämme und lasst die Natur auf euch wirken. Kinder fangen automatisch an, mit der Natur zu interagieren. Geht auf die Bedürfnisse eurer Kinder ein und seid flexibel: Wenn der kleine Magen bereits um 11 Uhr knurrt, beginnt, gemeinsam Holz zu sammeln. Oft helfen auch kleine Rituale, ich habe zum Beispiel immer Gummibärchen dabei, die ich unbemerkt verstecke. Das Geheimnis ist simpel: Habt zusammen Spass und schafft tolle Erinnerungen!

 

Wandern mit Kindern



Fortgeschrittene: «Weisch no, wie’s gfägt het?»
Wenn die Kinder an längere Spaziergänge und kleine Märsche gewöhnt sind, ist es einfacher, sie immer mal wieder für eine Wanderung zu motivieren. Erinnert die Kinder an die gemeinsamen positiven Erlebnisse der vorangegangenen Ausflüge und lockt sie damit, etwas Neues zu entdecken, sich überraschen zu lassen. Oder stachelt den Ehrgeiz an, indem ihr die erste Gipfelbesteigung ankündigt. Meistens ist es ja tatsächlich so, wenn man dann mal unterwegs ist «fägets». Und falls der Nachwuchs trotzdem keinen Bock hat, zieht mit einem nonchalanten «Sälber tschuld» eben allein los. Nehmt sein «Nein» ernst, so nimmt er vielleicht die nächste Anfrage an.

 

Quereinsteiger: «Hiufe, mis Ching isch fu!»
Kritik am Kind ist nach meiner Meinung der falsche Ansatz, um einen Couch-Potato aus der Wohnung zu kriegen. Vielmehr ist es meine Aufgabe als Vater, dem Kind eine Wanderung schmackhaft zu machen, es mit meiner Unternehmungslust anzustecken. Unsere Gemütslagen liegen wahrscheinlich weit auseinander. Mein Kind ist träge und will lieber zuhause spielen. Diese Bequemlichkeit gilt es auf eine positive Art zu überwinden. Ich freue mich, mit meinem Kind Zeit zu verbringen, mich dabei zu bewegen und an der Natur zu erfreuen. Natürlich kann man ein absolutes Highlight als Wanderziel wählen, aber mir persönlich ist es lieber, wenn die Erwartungshaltung bescheiden ist und der Ausflug sie dann übertrifft. Also wähle ich die Trampelpfade im Wald und nehme zum Beispiel eine Sonnenbrille mit, wir suchen Gesichter, setzen ihnen die Sonnenbrille auf und machen davon Fotos mit dem Handy. So entsteht ein gemeinsames Projekt, eine Collage des Ausflugs. Oder wir lassen an jeder Weggabelung Münzen entscheiden, wie es weitergeht. Bei Kopf nach links, bei Zahl nach rechts. Plötzlich wird aus der Wanderung ein Abenteuer!

 

Wandern mit Kindern Spiele

Tricks gegen die Langeweile: «Chumm, mir schpile öpis!»
Worst case auf einer Wanderung ist das asphaltierte Stück Landstrasse, das wir 20 Minuten entlang gehen müssen, bevor es wieder über Stock und Stein geht. Für solche Fälle gibt es die Klassiker: «I gseh öpis, was du nid gsehsch», oder «I packe i mi Rucksack». Oder wir erzählen uns eine Geschichte: Wir geben uns 5 bis 6 Begriffe vor und einer muss daraus eine Geschichte erzählen. Oder jeder steuert nur einen Satz zur Geschichte bei. Möchte man auf solche Momente vorbereitet sein, kann man zum Beispiel selbst leere Würfel aus dem Bastelladen bemalen: Den einen mit Farben, die man in der Natur findet, einen zweiten mit Adjektiven wie spitzig, flach, rund. Auf der langweiligen Landstrasse werft ihr die Würfel und die Kombination versucht ihr so schnell wie möglich um euch herum zu entdecken. Wer findet als erstes das runde Rote?

 

Wanderspiele für Kinder

 

Teenies: «Uf was hättsch Luscht?»
Wenn eure Pubertiere Wanderungen gegenüber nicht per se abgeneigt sind, kann man sie fragen, worauf sie Lust haben: Sportliche Herausforderung, Seele baumeln lassen, Wasserfall, Schluchten, Höhlen. Oder weckt ihr Interesse auf inhaltlicher Ebene mit Themen, z.B. eine Hüttenwanderung, eine 4-Seilbahnen-Route. Wir sind schon zu einem städtischen Bahnhof spaziert, in den erstbesten Bummler ein- und nach ein paar Haltestellen wieder ausgestiegen. Dann haben wir versucht den Weg zurückzufinden. Ohne Navi. Oder lustig ist auch von einem Punkt X aus quasi Luftlinie in eine Himmelsrichtung zu laufen. Immer nach Norden und die Hindernisse geschickt umgehen. Mit Teenies ist die Hauptsache, locker zu bleiben: Das Handy darf mit, unterwegs dürfen auch mal Musik gehört oder Nachrichten gecheckt werden. Und wenn sie Nein zum Wandern sagen, gilt es das geduldig zu akzeptieren: Sobald die Pubertät vorbei ist, kommen sie dann schon wieder mit.


Und zu guter Letzt möchten wir wissen: Warum soll man als Familie überhaupt wandern?
«Wüus fägt!“ oder für die Nicht-Berner: Weil es Spass macht. Man lernt sich und die Kinder besser kennen, führt unterwegs Gespräche, die zuhause so nicht entstehen würden. Man lernt die Natur kennen und wertschätzen. Und Bewegung soll ja gesund sein, sagen andere Experten.

 

Wanderpapa Rémy Kappeler

Wir bedanken uns herzlich bei Rémy Kappeler, Chefredaktor des Magazins WANDERN.CH, Papa von 3 Kindern (15-, 12- und 7-jährig) und Autor des Blogs Wanderpapa für dieses Gespräch.

 Buch: www.schweizer-wanderwege.ch/wanderpapa
Blog: Wanderpapa – Blog der Schweizer Wanderwege
WANDERN.CH: Schweizer Wanderwege | Magazin WANDERN.CH

 

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